WAHLBEOBACHTER GERD GERSBECK

Stellungnahme des international tätigen, erfahrenen Wahlbeobachters Gerd Gersbeck zu unseren Parlamentswahlen nach seinem Besuch am 21.01.2020:

„Das Teilprojekt „Wahl“ erschien mir überraschend gut vorbereitet. Alle wesentlichen Elemente, die man zur Durchführung einer demokratischen, freien und geheimen Wahl in einem Wahllokal zu finden erwartet, waren verfügbar und im Einsatz: ein Wahlkomitee mit klarer Aufgabenteilung und eingeübten Abläufen, Wählerlisten – öffentlich ausgehängt und in Bearbeitung zur Identitätskontrolle – Wahlscheine und Wahlurnen, und natürlich auch eine ausreichende Anzahl von Wahlkabinen. Dass letztere mit der offenen Seite zur Eingangstür gestellt waren, ist unter „Lessons Learned“ eingetragen.

Ich fand es beeindruckend, wie das Team Lösungen für Ablauf-Probleme gefunden hatte, die einem eher untypischen Szenario der Vorgabe „der Unterrichtsbetrieb soll möglichst wenig gestört werden“ gehorchten, z.B. bei der unverzichtbaren Identitätskontrolle statt der Ausweise die Hilfsmittel Klassenlisten, überwacht und bestätigt durch die Lehrkraft, zu verwenden.  

Ich war beeindruckt, wie engagiert und ernsthaft die Mitglieder des Projektteams diese großartige Thematik bearbeitet haben. Demokratie lernen, Demokratie erfahren, Demokratie schon frühzeitig üben und sich zu eigen machen: nicht einfach, aber spannend und nachhaltig!“


Kurzinterview mit dem Wahlbeobachter Gerd Gersbeck am 21.01.2020

Was macht ein Wahlbeobachter, worin besteht Ihr Job?

Wir überprüfen bei Wahlen, ob die Organisation und Durchführung den nationalen Gesetzen und internationalen Vorgaben entsprechen. Jede Wahl folgt einem Wahlgesetz. Das legt z.B. fest, inwieweit die Parteien Zugang zu den Medien haben, welche Parteien zugelassen werden und die Prozentschwelle. Länder, in denen Wahlen stattfinden, laden uns Wahlbeobachter ein, um zu zeigen, dass sie einen bestimmten Grad an Demokratie einhalten. Durch die Ergebnisse haben sie z.B. politische und wirtschaftliche Vorteile.

Was interessiert Sie an der Wahl in Orffistan?

Ich bin gespannt, wie weit die Grundgesetze in dem gerade entstehenden Land greifen und wie sich Orffistan weiterentwickelt.

Wie sind Sie darauf gekommen, uns zu besuchen?

Ich habe einen Bericht im Radiosender Bayern 1 gehört und war sofort interessiert. Ich habe dann angerufen, um mich bei der Wahl nützlich zu machen und meine Hilfe bei der Organisation anzubieten.

Das Interview führte Valerie von Blücher (8d)

Wer mehr über die Wahlbeobachter und ihre Mission herausfinden möchte, findet auf den Internetseiten des ZiF (Zentrum für internationale Friedenseinsätze), der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und des ODIHR (Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte) weitere Informationen.